#47 Blut beim Pferd: Ist die neue Regel gefährlich?
Shownotes
In dieser Episode berichtet Dr. Sandra Löckener über die Ergebnisse der aktuellen Abstimmung zur Lockerung der "No Blood Rule" im Pferdesport.
Sandra erklärt weitere Optionen für den Tierschutz und bietet für alle Pferdefreunde, die hier noch nicht das Ende der Bemühungen um das Wohl der Sportpferde sehen, eine Möglichkeit, weiterhin aktiv zu bleiben.
Möchtest du dich weiter für das Tierwohl einsetzen und die Lockerung der "No Blood Rule" nicht so einfach akzeptieren? Dann findest du hier die Petition: https://www.change.org/ProNoBloodRule
Teile diese Folge volle Kanne, damit möglichst viele Pferdemenschen mit dem Herz am rechten Fleck von der Möglichkeit, Teil der Petition zu sein, erfahren. Change.orgChange.org Petition unterschreiben
ProNoBloodRule – Für den Schutz der Pferde im Springsport! (157 kB)
Transkript anzeigen
Stell dir mal vor, du sitzt am Rand eines Turnierplatzes. Ein Pferd läuft, es performt,
es gibt alles für seinen Reiter und plötzlich siehst du Blut am Maul oder irgendwo am Pferdekörper.
Bis vor kurzem hieß das Disqualifikation. Jetzt heißt es nur noch Verwarnung. Die FEI,
die internationale reiterliche Vereinigung, hat beschlossen, die sogenannte No-Blood-Rule
zu lockern. Das bedeutet, Pferde, an denen in einer Prüfung sichtbares Blut festgestellt wird,
dürfen künftig weitergeritten werden. Für viele Pferdefreunde ist das ein Schlag ins Gesicht.
Hey, schön, dass du in den Podcast vom Kranken zum gesunden Pferd reinhörst. Ich bin Dr. Sandra
Löckner und in jeder Folge werde ich dir ein bisschen meines Wissens aus Biologie und
Tiermedizin schenken. Deine Fragen zum Thema Pferdegesundheit sind der Leitfaden für diesen
Podcast. Also kommentiere oder schreib mir, wenn dich ein Thema interessiert oder wenn du selbst
ein krankes Pferdchen hast und Unterstützung auf dem Weg vom Kranken zum gesunden Pferd brauchen
kannst. Und mit ein bisschen Glück ist dann auch bald deine Frage-Thema einer Podcast-Folge.
Vom Kranken zum gesunden Pferd. Der Podcast für die Gesundheit deines Pferdes. Vom Kranken
zum gesunden Pferd. Mit Dr. Sandra Löckner. Bei der Abstimmung zur Lockerung der sogenannten
No-Blood-Rule stimmten 56 Mitgliedsverbände dafür und 20 dagegen. Also das heißt, die gute
Nachricht ist, es gibt 20 Mitglieder, die gesagt haben, nee geht gar nicht, wir dürfen diese
Regel auf keinen Fall lockern, Blut hat nichts an einem Sportpferd zu suchen. Aber es haben leider
56 Mitglieder ihre Meinung kundgetan, dass offensichtlich sie kein Problem darin sehen,
wenn ein Pferd blutet, dass es einfach weiter geritten wird. Die Deutsche Reiterliche Vereinigung,
die FN, die hat gegen diese Lockerung gestimmt. Ebenso haben sich Dänemark, Österreich und
Großbritannien gegen die Änderungen ausgesprochen. Denn Tierärztinnen und Trainerinnen warnen,
sichtbares Blut ist niemals ein Zufall. Es ist immer ein Zeichen von Überforderung,
von Schmerz oder von falscher Einwirkung. Trotzdem wurde die Regel geändert. Mit der
Begründung, man müsse Verhältnismäßigkeit wahren. Hä, denke ich mir da, Verhältnismäßigkeit hat ja
wohl Grenzen, nämlich da, wo Tierleid beginnt, oder? Also man fragt sich echt, darf man das,
also darf man wirklich ein Pferd blutig reiten und einfach weiter reiten, auch wenn das gesehen wird?
Also schauen wir uns mal die gesetzlichen Grundlage dafür an. Der Tierschutz ist ja in Deutschland
verfassungsrechtlich geschützt. In Artikel 20a des Grundgesetzes heißt es, der Staat schützt
auch die Inverantwortung für die künftigen Generationen, die natürlichen Lebensgrundlagen
und die Tiere. Okay, in §1 des Tierschutzgesetzes steht sogar, niemand darf einem Tier ohne
vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen. Also lass uns das mal merken,
ohne vernünftigen Grund. Auch die Europäische Union verpflichtet ihre Mitgliedstaaten in Artikel 13 des
Vertrags über die Arbeitsweise der EU. Bei der Festlegung und Durchführung der Politik tragen
die Union und die Mitgliedstaaten den Erfordernissen des Wohlergehens der Tiere als fühlende Wesen
Rechnung. Sehr gut, fühlende Wesen, das merken wir uns auch mal. Und jetzt mal ganz ehrlich,
ein Springparcours ist ja wohl kein vernünftiger Grund für Verletzungen am Pferd. Also sichtbares
Blut an einem Pferdeathleten ist ein Zeichen für Misshandlung oder massive Überforderung. In jedem
Fall soll ja wohl ein blutender Freund getröstet und entsprechend versorgt werden und seinen
Schmerz darf nicht für den eigenen Vorteil ignoriert werden im Reitsport. Der Pferdesport
hat Tradition. Der Pferdesport zeigt Leidenschaft und Eleganz, aber er trägt auch Verantwortung.
Wenn wir Pferde lieben und als fühlende Wesen wahrnehmen, dann müssen wir sie schützen,
gerade dort wo Leistung, Druck und Ehrgeiz aufeinandertreffen. Denn Reiten darf niemals
auf Kosten des Pferdes gehen. Wenn du die Lockerung der No-Blood-Rule nicht hinnehmen möchtest,
kann ich dir folgendes anbieten. Ich habe einen Aktionsplan ausgearbeitet, der sich an
ausgewählte Politiker, internationale Reitsportorganisationen und einflussreiche
Verbände wendet. Wir wollen bewirken, dass sich einflussreiche Stellen gegen diese
FEI-Regeländerung stellen. Und dass der Tierschutz im Pferdesport wieder das wird,
was er sein muss, selbstverständlich. In der Schweiz gibt es so ein Beispiel. Der Gesetzgeber,
das ist in der Schweiz die Bundesversammlung, hat zum Beispiel bestimmte Gebisse verboten.
Hier ist die Politik zum Wohl der Pferde tatsächlich aktiv geworden. Das bedeutet,
selbst wenn die FEI diese Gebisse toleriert, darf damit bei Reitsportveranstaltungen in
der Schweiz nicht gestartet werden. Okay, das heißt, der nächste Schritt ist also,
wir müssen prüfen, ob es einflussreiche Politiker mit Herz gibt. Um die ganze Kommunikation kann
ich mich kümmern, weil ich aus meiner früheren Arbeit schon ein paar Leute im internationalen
Tierschutz kenne und ich halte dich natürlich total gern auf dem Laufenden. Wichtig ist aber
außerdem eine weitere Petition. Unsere letzte Petition, die hat sich an die FN gewandt und die
hat ja wirklich gegen die Lockerung der No-Blood-Rule gestimmt, was ja schonmal mega ist. Aber leider hat
das nicht gereicht, weil halt zu viele Mitglieder dafür gestimmt haben. Deshalb brauchen wir jetzt
noch eine Bundestagspetition mit dem Ziel, dass die Bundesregierung über das BMEL,
das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, auf die FEI einwirken und
gegebenenfalls auch einfach eine unabhängige Entscheidung zum Wohle der Pferde trifft.
Was du tun kannst ist, unterzeichne die Petition, teile diese Podcastfolge und setze gerne auf
Social Media ein Zeichen mit dem Hashtag Pro No-Blood-Rule. Den Link zur Petition findest
du in der Folgenbeschreibung, hier in den Show Notes. Bitte hab keine Angst um dein
liebstes Hobby. Ich bin überhaupt nicht gegen das Reiten und ich bin auch nicht gegen den
Reitsport. Tierschutz ist kein Hindernis für den Sport. Er ist eine moralische Grundlage.
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