#52 Hustensaft fürs Pferd: Hilft er wirklich? Das sagt die Wissenschaft
Shownotes
Dein Pferd hustet – und der erste Griff geht zum Hustensaft. Verständlich, denn das Wort Husten steckt ja schon drin. Aber bringt das überhaupt etwas?
In dieser Folge starten wir eine kleine Serie: Wir gehen der Reihe nach durch, was bei hustenden Pferden wirklich hilft – und was nur gut klingt. Den Anfang macht der Klassiker aus dem Futterlager.
Denn Husten ist keine Krankheit, sondern ein Schutzreflex. Wer das versteht, stellt sich beim Hustensaft ganz andere Fragen: Kommt er überhaupt dort an, wo das Problem sitzt? Und was in der Flasche macht eigentlich die Arbeit – die Inhaltsstoffe oder etwas ganz anderes?
Du erfährst:
Warum Husten ein Schutzreflex ist und kein Symptom, das man einfach abstellt
Warum Hustensaft die Bronchien anatomisch gar nicht erreichen kann
Warum die Konsistenz des Sirups wichtiger sein könnte als seine Inhaltsstoffe
Wann Hustensaft trotzdem sinnvoll ist – und wann du dir das Geld sparen kannst
Eine Folge für alle, die bei Husten nicht raten, sondern verstehen wollen.
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Transkript anzeigen
00:00:00: Dein Pferd hustet.
00:00:02: Was hilft jetzt wirklich?
00:00:03: Nehmen wir den Hustensaft in den Check!
00:00:05: Die spannende Frage ist natürlich, bringt das denn überhaupt
00:00:08: was?!
00:00:09: Aber die noch spannendere Frage ist, kannst du dann auch schaden?
00:00:12: Denn wenn Du schon mal ein Video, ein Webinar oder vielleicht einen Vortrag zum Thema Equines Asthma von mir gehört hast, dann weißt Du, dass einige Produkte, die wir so einfach bei Asthma anwenden sogar schaden können.
00:00:23: Also lass uns ganz genau gucken – was können Hustensaft?
00:00:26: Kräuter, Stallhygienepulver und für die Asthma-Pferde tun.
00:00:30: Wo ist es eine unnötige Investition?
00:00:32: Und wann kann das schädlich sein?
00:00:35: In diesem Video beginnen wir beim Hustensaft!
00:00:40: Denn was kaufen wir erst mal?
00:00:43: Hustensaft ist doch offensichtlich, da steckt ja schon das Wort Husten drin – ein Saft der gegen Hustenhelfen soll.
00:00:50: Was ist denn Hustenn
00:00:50: überhaupt?!
00:00:51: Hustern ist ja erstmal gar keine Krankheit an sich.
00:00:54: Husteln ist ja erst einmal ein Schutzreflex.
00:00:56: In den Atemwegen sitzen sensible Nervenendigungen.
00:01:00: Sie können auf mechanische Reize, auf eingeatmete Partikeln, auf Allergene und auf chemische bzw.
00:01:06: entzündliche Reize reagieren.
00:01:08: Werden entsprechende neuronale Signalwege aktiviert entsteht der Hustenreflex – und er hat einen Sinn!
00:01:13: Mit so einem kräftigen Luftstrom versucht der Körper Material aus dem Atemweg zu entfernen, Partikel die gar nicht erst in die Lunge gelangen sollen oder der Organismus möchte schleimen oder auch Keime herausbefordern, die bereits in den Atemwegen sind.
00:01:28: Deshalb ist die Aussage mein Pferd hustet also muss ich den Husten stoppen biologisch erstmal fragwürdig.
00:01:34: Wir müssen stattdessen fragen warum hustet es?
00:01:36: Hat das gerade Staub eingeatmet?
00:01:38: Ist die Rachenschleimhaut gereizt?
00:01:40: liegt viel Sekret in den atemwegen?
00:01:42: gibt es einen Infekt?
00:01:43: Oder haben wir eine chronische Entzündung der unteren Atemwege wie bei Equin im Asthma?
00:01:47: Wenn etwas raus will lässt sich der Hustendurch-Hustensaft nicht beruhigen und dass ist auch gut so.
00:01:53: Wenn etwas oberflächlich den Rachen ärgert, kann Hustensaft schon beruhigen.
00:01:58: Gucken wir uns mal beide Fälle an!
00:02:00: Schleim ist eigentlich etwas Gutes – unsere Atemwege und die des Pferdes brauchen Schleimen.
00:02:05: Die Oberfläche der Atemwege besteht aus einem speziellen Epithel.
00:02:09: Darauf befindet sich eine Flüssigkeits- und Schleimschicht.
00:02:12: Darin bleiben eingeatmete Partikel hängen.
00:02:17: Auf der Oberfläche vieler dieser Epithelzellen sitzen Zilien, also ganz winzige Flimmerherchen.
00:02:22: Die Schlagen praktisch koordiniert und transportieren das Material Richtung Rachen.
00:02:28: Das ist die sogenannte mucociliere Clearance.
00:02:31: Das Pferd besitzt ein permanentes Selbstreinigungssystem.
00:02:34: Damit dieses Förderband funktioniert braucht der Schleim aber bestimmte physikalische Eigenschaften.
00:02:40: Er muss einerseits klebrig genug sein, um Partikel einzufangen.
00:02:43: Andererseits muss er beweglich genug bleiben, damit die Zilien ihn transportieren können.
00:02:48: Bei Entzündungen kann dieses System aus dem Gleichgewicht geraten – es wird mehr Sekret produziert oder die Zusammensetzung des Sekrets verändert sich, die Atemwege können sich verengen, entzündungszellen und deren Produkte kommen hinzu.
00:03:02: Und der Abtransport funktioniert möglicherweise nicht mehr ausreichend.
00:03:05: Jetzt reagiert der Körper zum Beispiel mit Husten!
00:03:08: Dieser Husten wird sich durch Hustensaft nicht verändern.
00:03:12: Soll er auch nicht, weil raus mit dem Mist und kann ja auch nicht denn der Hustensaft gelangt ja nicht in die Bronchen oder in die Lunge sondern über die Speiseröhre in den Magen.
00:03:21: aber wir hatten ja noch den zweiten Fall Pferderachen wird durch Staubpartikel gereizt.
00:03:25: hier wird Hustenzaft schon interessant und Spoiler.
00:03:28: vielleicht ist der Sirup selbst interessanter als die Inhalte.
00:03:33: Schauen wir uns einen typischen Hustenaft an.
00:03:34: Wir finden beispielsweise Honig Zucker-Sirup, Glycerin bzw.
00:03:39: Glyzerol, Eibisch, Thymian, Spitzwägerich, Anis.
00:03:42: Fentil kommt auch oft vor also verschiedene weitere Pflanzenextrakte noch.
00:03:46: aber biologisch sollten wir als erstes mal was ganz anderes betrachten die Konsistenz des Hustensafts und seinen Geschmack.
00:03:55: denn warum ist Hustensaft eigentlich fast immer dickflüssig?
00:03:58: Und warum is er immer süß?
00:04:00: Warum verwendet man seit Jahrhunderten Honig oder Sirup?
00:04:04: dafür gibt es eine interessante Erklärung Die Wirkung stammt möglicherweise gar nicht von einem enthaltenen Wirkstoff, sondern von den physikalischen Eigenschaften des Sirop selbst.
00:04:14: Bei einer Untersuchung von sechzig Hustenseften diskutierten die Autoren ausdrücklich dass Zuckerverbindungen und Verdickungsmittel selbst zur wahrgenommenen Wirkung beigetragen haben könnten.
00:04:24: Was passiert damit im Rachen?
00:04:26: Wenn ich beispielsweise Wasserschlucke dann läuft es relativ schnell über die Schleimhaut.
00:04:30: ein visköser Sirop verhält sich aber anders.
00:04:33: Der haftet länger.
00:04:34: Dadurch kann er ein Film auf die Schleimhaut legen.
00:04:37: Man spricht von einem demulzierenden Effekt, das bedeutet vereinfacht.
00:04:41: eine Substanz legt sich auf eine gereizte Schleimbaut und kann sie dadurch beruhigen.
00:04:46: Und jetzt wird die Anatomie wichtig Ein Hustensaft den das Pferd schluckt der kommt tatsächlich mit Maul-und Rachen in Kontakt.
00:04:53: Danach geht da über die Speiseröhre in den Magen.
00:04:55: Deshalb ist ein lokaler Effekt von Hustensaft im Rachen plausibel.
00:04:58: Nehmen wir uns mal Honig vor.
00:05:01: Warum kann er eine staubige Kehle beruhigen?
00:05:04: Honig ist chemisch interessant, weil er eine hochkonzentrierte Zuckerlösung mit relativ wenig frei verfügbaren Wasser ist.
00:05:10: Vor allem Glucose und Fructose tragen zu dieser hohen Konzentration gelöster Teilchen bei.
00:05:15: Daraus ergeben sich zwei wichtige Eigenschaften.
00:05:17: Honig is viskös – und Honig i osmotisch aktiv!
00:05:22: Was bedeutet Osmose?
00:05:24: Stellen wir uns zwei Flüssigkeitsräume vor die durch einen Membran getrennt sind.
00:05:30: Auf der einen Seite befinden sich wenige gelöste Teilchen, auf der anderen sehr viele.
00:05:35: Wenn die Membranen Wasser passieren lässt – die gelösten Teilchen aber nicht entsprechend frei passieren können – dann entsteht ein ostmotischer Wasservluss.
00:05:43: Das Wasser bewegt sich Richtung der höheren effektiven Konzentration aus motisch wirksamer Teilchen und genau deshalb fühlt es sich so an dass Honigfeuchtigkeit spendet!
00:05:54: Das ist physikalisch eigentlich nicht ganz korrekt.
00:05:55: eine konzentrierte Zuckerlösung kann Wasser anziehen und binden.
00:05:59: Das hassen übrigens auch Viren und Bakterien, deshalb ist es gut bei Infekten.
00:06:03: Zusammen mit der hohen Viskosität kann dadurch aber dann eben ein anhaftender Film entstehen.
00:06:08: Und wenn eine Rachenschleimhaut beispielsweise durch trockene Luft – das haben wir ja auch im Winter öfter mal oder einen geatmeten Staub vor allem im Sommer, aber generell obaflächtlich gereizt wurde -, ist es biologisch durchaus plausibel dass ein solcher Film vorübergehend angenehm und reitzlindern wirkt.
00:06:24: Er kann die Oberfläche beschichten!
00:06:28: Erhält Flüssigkeit an der Oberfläche.
00:06:30: Und möglicherweise werden dadurch sensible Nervenendigungen weniger stark stimuliert.
00:06:35: Haben wir dafür Evidenz?
00:06:37: Bei Menschen ja, aber mit Einschränkungen!
00:06:40: Eine systematische Übersichtsarbeit aus dem Jahr- und Jahrzehntag fand zehn verschiedenen Studien zu Honig bei akutem Husten bei Kindern.
00:06:49: Honig schien die Hustenfrequenz gegenüber keiner Behandlung bzw.
00:06:53: gegenüber Placebo zu reduzieren – teilweise den Schlaf zu verbessern.
00:06:57: Aber die Evidenzqualität ist nicht besonders hoch.
00:07:01: Und für Pferde gilt, es gibt keine Evidenze dafür, dass Honig iquinen Husten irgendwie behandelt.
00:07:06: Also wir können biologisch einen Mechanismus sehen der auch plausibel erscheint.
00:07:12: bewiesen ist es nicht und das ist wichtig zu differenzieren.
00:07:16: Honig im Rachen behandelt keine Entzündung in dem Bonnchen kann aber einfach eine spontane Reizung lindern.
00:07:24: ich würde sagen Du kannst einfach probieren, ob Honig deine Pferd bei reizusten Linderung verschaffen kann.
00:07:29: Denn die Wahrscheinlichkeit besteht aber ohne starke wissenschaftliche Evidenz.
00:07:33: Dann gucken wir uns noch Glycerol an oder Glyzerin – vielleicht ein weiterer interessanter Bestandteil von Hustenseften?
00:07:39: Das ist ein kleines Molekül mit drei Kohlenstoffatomen und drei Hydroxylgruppen.
00:07:44: Diese OH-Gruppen können Wasserstoffbrücken mit Wasserstoffmolekülen ausbilden.
00:07:49: Das bedeutet dadurch ist Glycyrol stark wasserlöslich und hygroskopisch!
00:07:54: Es kann also Wasser anziehen und festhalten.
00:07:56: Gleichzeitig ist es viskös, damit besitzt es gleich mehrere Eigenschaften die für einen Hustensirup interessant sind.
00:08:03: Er verdickt, es bindet Wasser, er schmiert Oberfläche, rachen... ähm ...es haftet auch?
00:08:09: Und es schmeckt süß!
00:08:10: Es könnte also einen gereizten Fahrungsbeschichten und schmieren.
00:08:14: Evidenz wieder schwach.
00:08:17: Eine Übersichtsarbeit fand keine guten veröffentlichten klinischen Studien wie stark Lützerrohl allein tatsächlich Husten reduziert.
00:08:25: Da ist kein Effekt belegt, aber auch hier gilt der Mechanismus klingt schon überzeugend, aber halt überzeugender als die klinische Evidenz.
00:08:32: Was ist jetzt mit eibisch und anderen Schleimstoffe?
00:08:35: Kommen wir mal zu diesen klassischen Schleimsstoffpflanzen.
00:08:38: Pflanzliche Schleimmstoffe bestehen zu einem erheblichen Teil aus komplexen Polysacheriten.
00:08:43: Diese großen Moleküle können Wasser aufnehmen und Wiskösesysteme bzw.
00:08:49: auch so Gel bilden.
00:08:51: Damit haben wir wieder einen ähnlichen Mechanismus.
00:08:53: Beschichten, statt pharmakologisch behandeln!
00:08:56: Wenn solche Stoffe über eine gereizte Schleimhaut laufen können sie dort einen Film bilden und das ist als lokal erländernder Effekt auch wieder durchaus plausibel.
00:09:05: aber wieder unsere wichtige Frage wo befindet sich der Stoff?
00:09:09: Im Rachen nicht in der Lungegel.
00:09:11: die großen pflanzliche Polysacheride werden aber nicht einfach vollständig intakt durch den Darm aufgenommen über das Blutzolunge transportiert und legen sich dort als Schutzfilm über die Brondchen.
00:09:22: Das klappt nicht!
00:09:23: Also wenn jemand sagt, Ibisch legt sich schützend auf die Schleimhäute der Lunge oder auf die Bronchen oder sowas... Dafür brauchen wir einen komplett anderen Wirkmechanismus ja?
00:09:32: Das heißt, legt es sich schüttzend Auf die Schleihe heute im Rachen zum Beispiel lindert für die Bronchelunge dass es wirklich dort ankommt.
00:09:40: Das gucken wir uns nochmal genauer in dem Video über Husten Kräuter an.
00:09:46: Der Mechanismus von Viskösen-Sirups, Honig usw.
00:09:50: und Schleimstoffen ist durchaus biologisch plausibel – die Evidenz eher dünn!
00:09:56: Also hier greift jetzt einer meiner eigentlich absoluten Hasssätze.
00:09:59: Probieren geht hier über studieren.
00:10:01: Armsweise!
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