#55 Equines Asthma beim Pferd: Heilbar oder für immer? Was wirklich möglich ist
Shownotes
Dein Pferd hat die Diagnose equines Asthma bekommen – und du fragst dich, ob es jetzt für immer krank bleibt?
Genau dieser Frage gehen wir in dieser Folge nach. Warum entsteht Asthma überhaupt? Was passiert dabei in der Lunge? Und kann sich die Lunge wirklich wieder erholen?
Die kurze, ehrliche Antwort: Die Symptome können vollständig verschwinden und dein Pferd kann wieder belastbar und beschwerdefrei werden. Die genetische Veranlagung bleibt aber bestehen. Deshalb geht es nicht um ein Wundermittel, sondern darum, die richtige Maßnahme zum richtigen Zeitpunkt zu setzen.
Du erfährst:
Warum nur manche Pferde Asthma entwickeln und welche Gene dabei eine Rolle spielen
Wie die Erkrankung in vier Phasen entsteht, von der stillen Sensibilisierung bis zu den ersten Symptomen
Warum Asthma mit der Zeit schwerer wird und was Airway Remodeling bedeutet
Ob auch ein schwer betroffenes Pferd wieder gesund werden kann
Eine Folge für alle, die nach der Diagnose wissen wollen, was wirklich möglich ist.
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Transkript anzeigen
00:00:00: Asthma beim Pferd, halber oder für immer.
00:00:05: Was wirklich möglich ist, dazu kannst du jetzt eine Einschätzung bekommen.
00:00:10: Vielleicht hat dein Pferdd gerade die Diagnose Asthma erhalten?
00:00:15: Oder Du hast den Verdacht dass sie im Team equines Asthma gelandet sein könntet.
00:00:20: Vielleicht tust du dein Pherd schon länger vielleicht immer mal wieder, vielleicht durchgehend, vielleicht hats Rotz, Nasenausfluss oder Atembeschwerden und Ziemlich wahrscheinlich fragst du dich, ob dein Pferd für immer krank bleiben wird und ob die Symptome überhaupt ganz weggehen können.
00:00:38: Lass uns genau dieser Frage gerne gemeinsam nachgehen – biologisch fundiert?
00:00:43: Wissenschaftlich betrachtet?
00:00:44: Und mit der Erfahrung aus über zehn Jahren Rehabilitation von Asthma bei Pferden!
00:00:51: Warum bekommt ein Pferdd überhaupt
00:00:53: Asthma?!
00:00:55: Eine der größten Fehleinschätzungen ist….
00:00:58: Mein Pferд hat plötzlich Asthma bekommen.
00:01:02: Tatsächlich kann sich das symptomatisch aber genauso darstellen.
00:01:07: Es gibt viele Pferde, die husten nicht, nie trotz zu sehen und plötzlich wirst du von einem Asthma-Anfall mit akuter Atemnot überrascht.
00:01:16: Aus biologischer Sicht ist das Problem aber nicht in diesem Moment entstanden.
00:01:21: Innerlich liefen da bereits einige Prozesse ab.
00:01:24: Wenn ein Pferd die ersten Symptome zeigt laufen die krankhaften Prozessen der Lunge häufig bereits seit Monaten oder vielleicht sogar schon seit Jahren.
00:01:33: Der erste Husten Der erste Rott, der erste Atmungsbeeinträchtigung ist oft nur die Spitze des Eisbergs.
00:01:40: Die eigentliche Erkrankung beginnt viel früher.
00:01:45: Die genetische Veranlagung – nicht jedes Pferd reagiert gleich!
00:01:50: Wir wissen es, sie sind alle völlig unterschiedlich.
00:01:53: Stellen wir uns zwei Pferde vor.
00:01:55: Beide stehen im selben Stall, beide bekommen dasselbe Heu.
00:02:00: Beine gehen auf die gleiche Koppel, beide atmen dieselbe Luft.
00:02:04: Beide trainieren beim gleichen Trainer und vielleicht haben sie sogar den gleichen Futterplan.
00:02:10: Trotzdem entwickelt nur eins Asthma, warum?
00:02:16: Weil die genetische Veranlagung beeinflusst wie das Immunsystem auf Einflüsse reagiert.
00:02:22: So kommt es auch zustande dass manche Pferdebesitzer sagen Das gibt's doch nicht!
00:02:27: Man pfährt für so ein gesundes Leben und es kriegt Asthma.
00:02:30: Das Pferd von Petra hat viel schlechter und der Lunge gehts tadellos Ist so, denn wenn Petras Pferd keine angeborene Übersensitivität der Lunge hat wird die Lunge viel mehr aushalten und das Immunsystem nicht reagieren.
00:02:47: Das Immunystem ist unterschiedlich eingestellt.
00:02:50: Bei manchen Pferden reagieren Immunzellen deutlich stärker.
00:02:54: Das Imunsystem bewertet eigentlich harmlose Partikel als Gefahr also praktisch so, als wären es Keime, als werden es krankmachende Faktoren.
00:03:04: Die Folge ist eine Entzündungsreaktion.
00:03:07: Und diese Reaktion soll eigentlich den Organismus schützen, aber bei Asthma wird sie zum Problem.
00:03:13: Welche Gene spielen eine Rolle?
00:03:15: Die Forschung zeigt, dass zahlreiche Gene beteiligt sind.
00:03:19: Besonders wichtig sind Gene die Entzündenprozesse steuern.
00:03:22: Dazu gehören unter anderem Gene für Interleukine, Tumor, Nikrosefaktoren, Chemokiene.
00:03:30: Diese Botenstoffe bestimmen wie stark eine Entzung ausgelöst wird wie lange sie anhält und wie viele Immunzellen angelockt werden.
00:03:41: Dadurch entstehen große Unterschiede zwischen einzelnen Zwerden.
00:03:46: Gene beeinflussen auch die Schleimbildung.
00:03:49: Weitere genetische Faktoren bestimmen, ob Schlein produziert wird?
00:03:54: Wie viel Schleimm produziert wurde?
00:03:56: Wie zäh dieser Schleimb ist.
00:03:57: also bestimmen die Viskosität des Schleims und dadurch auch wie gut er mobil ist, wie guter abtransportiert werden kann.
00:04:05: Deshalb sehen wir bei manchen Pferden kaum Schleim, während andere massiv verschleimen.
00:04:13: Bei manchen gibt es vielleicht Schleiben der sich super leicht lösen lässt und bei anderen hängt er so richtig kreiskleisterartig in der Lunge und ist total fest und macht echt Probleme.
00:04:26: Gene beeinflussen den Gewebeumbau.
00:04:29: Es gibt genetische Unterschiede bei Reparaturprozessen, bei Narbenbildungen auch bei Verdickungen der Bronchialwand.
00:04:38: Dadurch schreitet die Erkrankung halt bei manchen Pferden deutlich schneller voran als bei anderen.
00:04:44: Das heißt, während es der Prozess beim Manchen Pherden einfach innerhalb gefühlt von Wochen voranschreitet gibt das andere.
00:04:52: da dauert das Jahre und bestimmt kennst du auch so ein Beispiel.
00:04:55: Sagen wir Blitz, das Pferd von Angelika hustet seit Jahren beim Antraben.
00:05:02: Sonst nicht!
00:05:04: Sonst fit?
00:05:05: Seit Jahren.
00:05:07: Dein Pferde hat einen kleinen Infekt oder eine Impfung.
00:05:11: Oder, oder und seitdem kriegst du den Husten nicht weg.
00:05:15: Das liegt häufig auch an dieser unterschiedlichen Genetik.
00:05:18: Gucken wir uns an wie Asthma entsteht.
00:05:22: Phase eins Die stille Sensibilisierung.
00:05:27: die Erkrankungen beginnt meist völlig unbemerkt.
00:05:30: das Pferd wirkt gesund leistungsbereit symptomfrei.
00:05:36: trotzdem wirken jeden Tag Millionen von Faktoren auf die Atemwege.
00:05:41: Staub, Allergene Toxine Training Wetter.
00:05:48: Was passiert in der Lunge?
00:05:51: In den Atemwegen sitzen spezialisierte Immunzellen vor allem Makrophagen und dendritische Zellen.
00:06:03: Diese Zellen fungieren sagen wir mal wie so eine Art Wächter.
00:06:09: Die kontrollieren permanent alles was eingeatmet wird.
00:06:14: Bei genetisch-empfindlichen Pferden beginnt nun eine Fehlprogrammierung des Immunsystems.
00:06:23: Diese Fehlprogrammierung ist die Grundlage für das spätere Asthma.
00:06:30: Phase zwei, die chronische Entzündung.
00:06:34: Es entwickelt sich eine unterschwellige Entzündenung.
00:06:38: Das Pferd zeigt meist noch keinerlei Symptome.
00:06:41: Trotzdem passiert bereits folgendes Entzüngungszellen wandern ein Botenstoffe werden freigesetzt, die Schleimhaut schwillt teilweise jetzt schon leicht an und die Atemwege werden zunehmend empfindlicher.
00:06:55: Das Problem?
00:06:57: Dieser Zustand kann über Jahre bestehen ohne Husten, ohne Atemnot, ohne erkennbare Leistungseinbußen.
00:07:09: Pase drei.
00:07:11: Bronchiale Hyperreaktivität.
00:07:14: Mit der Zeit werden die Atemberge immer reizbarer.
00:07:17: Man spricht von einer bronchialen Hyperreaktivität.
00:07:21: Das bedeutet, Reize die gesunde Pferde problemlos tolerieren lösen nun Reaktionen aus.
00:07:29: Ein guter Vergleich ist vielleicht mein Hund Giovanni.
00:07:32: Er reagiert empfindlich auf Donner Obwohl dieser ihm nichts tut und auch noch nie getan hat.
00:07:39: Anfangs reagierte er nur bei heftigem Donner.
00:07:43: Mit der Zeit wurde er empfindlicher Und dann reichte bereits ein weit entfernter Mini-Donner aus, um Alarm bei ihm auszulösen.
00:07:52: Genau das passiert praktisch bei Asthma.
00:07:56: Phase Vier Die ersten Symptome.
00:08:00: Jetzt bemerken Besitzer erstmals Veränderungen.
00:08:03: Typische frühe Anzeichen sind Gelegentliches Husten beim Antraben, Hustgen beim Fressen, Nasenausfluss.
00:08:13: Diese Früsymptome können auftreten müssen aber nicht auftreten, sie können einzeln vorkommen oder in Kombination.
00:08:21: Viele Pferdebesitzer und Pferdepesitzerinnen denken sich erst mal nichts dabei.
00:08:26: Tatsächlich besteht die Entzündung in diesem Moment – aber häufig bereits schon seit Monaten!
00:08:35: Was passiert ab jetzt in den Bronchen?
00:08:38: Drei Prozesse können ablaufen.
00:08:41: Erstens Bronchokonstriken Die Muskulatur um die Bronchen zieht sich zusammen.
00:08:47: Die Atemwege werden enger Der Luftstrom wird erschwert.
00:08:53: Zweitens, Schleimbildung.
00:08:56: Die schleimbildenden Zellen produzieren immer mehr Schleimen.
00:09:01: Eigentlich soll dieser Schleime Partikel abtransportieren.
00:09:05: Bei Asthma wird jedoch zu viel produziert und teilweise ist die Konsistenz auch so derb oder zäh oder dickflüssig dass sich die Atemwege einfach schwer tun diese Art von Schleimi abzutransportieren.
00:09:22: Drittens, Schwellung.
00:09:24: Die Schleimhaut verdickt sich.
00:09:27: Der verbleibende Durchmesser der Atemwege wird weiter reduziert.
00:09:30: die Atmung wird zunehmend erschwert.
00:09:34: Warum wird Asthma mit der Zeit schwerer?
00:09:36: Ein entscheidender Punkt ist hier das sogenannte Airway Remodeling.
00:09:40: hast du vielleicht schon mal gehört.
00:09:42: Chronische Entzündungen verändern dauerhaft das Gewebe in der Lunge in den Atemwegen.
00:09:48: Dabei kommt es zu Verdickungen der Bronchialwand Auch zur Vermehrung von Bindegewebe.
00:09:54: Die Schleimbildenden Drüßen vergrößern sich häufig und es kommt zu einer Zunahme der Atemwegsmuskulatur oder zumindest zu einem Umbau, zu einer Veränderung der Atenhilfsmuskulator.
00:10:06: Die Atemwege verlieren hier Elastizität Sie reagieren schneller und stärker auf Belastungen.
00:10:13: Der Organismus fühlt sich in dieser Phase durch alles Mögliche belastet.
00:10:17: Daher kommt es dass so viele Pferdebesitzer an den Punkt kommen wo sie sagen Ich mach doch schon alles!
00:10:25: Weil die Hyperreaktivität schon so lange besteht, spielen so viele Faktoren eine Rolle.
00:10:31: Es gilt nicht mehr, die Top drei zu neunzig Prozent zu erfüllen – jede Mini-Stellschraube muss jetzt justiert werden.
00:10:39: Vielleicht hast du von mir in diesem Zusammenhang schon mal die Formulierung «die passende Maßnahme zum passenden Zeitpunkt gehört».
00:10:46: Das ist aus meiner Sicht einer der Schlüssel.
00:10:50: Denn Equines Asthma ist eine multifaktorielle Erkrankung und sehr, sehr individuell.
00:10:58: Was für Bronco super ist, bringt Scotty gar nichts und ist für Stella sogar schädlich – der Teufelskreislauf!
00:11:10: Es entsteht ein Kreislauf.
00:11:14: Zündungen?
00:11:15: Für Zuschleimbildung?
00:11:17: Dadurch haben wir eine schlechtere Reinigung der Lunge mehr Partikelablagerung für zu noch mehr Entzündungen oder Entzündung führt zum mangelhaften Gasaustausch.
00:11:29: Dadurch kann es zu einer Übersäuerung kommen, die macht wieder ein Milieu wo sich die Entzindung leichter tut.
00:11:34: vorzubestehen oder entzündungen führt zur Schwellung.
00:11:39: dadurch haben wir eine Mobilitätsverlust und eine schlechtere Belüftung der Lunge also können Entzindungen schlechter regenerieren.
00:11:47: diese Prozesse verstärken sich selbst.
00:11:50: deshalb ist eingreifend so wichtig.
00:11:56: Kann die Lunge sich erholen?
00:11:58: Hier kommt die gute Nachricht.
00:12:02: Die Lunge besitzt erstaunliche Regenerationsfähigkeiten!
00:12:07: Ich habe regelmäßig Pferde zur Reha, deren Lunge so stark geschädigt ist dass wir uns nicht vorstellen können das das Tierchen wieder leistungsfähig wird.
00:12:15: aber es wird's und ich hab inzwischen so viele Erkenntnisse zum Regenerrationsprozess.
00:12:20: Es ist ein super spannendes Thema Warum manche Pferden trotzdem rückfällig werden?
00:12:28: Viele Pferd mit equinem Asthma sind langfristig völlig beschwerdefrei.
00:12:34: Aber bei manchen kehren nach Wochen oder Monaten die Symptome zurück, oder sie gehen gar nicht so hundertprozentig weg?
00:12:41: Warum?
00:12:42: Weil die Überempfindlichkeit bestehen geblieben ist!
00:12:46: Die Symptomen waren vielleicht vorübergehend verschwunden – die Veranlagung aber nicht.
00:12:52: Je besser du selbst weißt was bei deinem Pferd erste Signale des Immunsystems sind und wie du ganz früh gegensteuern kannst dass du größer ist die Wahrscheinlichkeit, das die Sache im Griff bleibt.
00:13:06: Was sagt die Wissenschaft?
00:13:08: Studien zeigen, dass viele Pferde mit Asthma langfristig symptomfrei bleiben normal trainiert werden können und ein normales Leben führen.
00:13:21: kann einen schwer betroffenen Pferd wieder gesund wirken?
00:13:25: Ja!
00:13:27: Und das ist eine der wichtigsten Botschaften zu equinem Asthma.
00:13:31: Selbst Pferden mit deutlichen Symptomen können oft wieder hustenfrei werden, lastbar werden sogar sportlich genutzt werden.
00:13:41: Der ursprüngliche Schweregrad sagt erstaunlich wenig darüber aus wie gut ein Pferd später wieder wird.
00:13:49: auch Pferde mit schwerem und hochgradigem Astmark können völlig beschwerdefrei werden aber warum ist frühe Handeln trotzdem wichtig?
00:14:00: Mit zunehmender Dauer der Erkrankung steigt die Wahrscheinlichkeit für irreversible Veränderungen Die länger Entzündungen bestehen, desto mehr Umbauprozesse entstehen.
00:14:10: Deshalb gilt, frühes Handeln schützt die Lunge.
00:14:15: Frühes Handeln schütze die Leistungsfähigkeit.
00:14:18: Früh es handelt verbessert die Prognose.
00:14:24: Die falsche Erwartung lautet, mein Pferd wird nie wieder Probleme haben!
00:14:30: Das kann sein... Aber viel wichtiger ist, dass du keine Angst vor Anzeichen hast weil Du weißt wie Du sie managen kannst.
00:14:40: Die realistische Erwartung lautet Mein Pferd kann dauerhaft beschwerdefrei sein.
00:14:48: Unser Fazit zur Frage Kann Equinas Astma wieder weggehen?
00:14:52: Ja – die Symptome häufig Nein – die Veranlagung nicht!
00:14:58: Die Symptomen können vollständig verschwinden Das Pferd kann wieder leistungsfähig werden, das Pferde kann wieder beschwerdefrei werden.
00:15:06: Die Überempfindlichkeit der Atemwege bleibt jedoch lebenslang bestehen.
00:15:11: Aber nach erfolgreicher Regeneration können wir einen Toleranzbereich entwickeln, der das Immunsystem des Pferdes nicht mehr bei jedem Extra-Einfluss überreagieren lässt.
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